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Hinterhalt bei Kouéi Pet

Chinoiseries

Phu Tong Hoa

Einleitung

Im Jahre 1947 wurde das 3e R.E.I. in den Norden von Tonkin versetzt. An die Route Coloniale 4, welche parallel zur Grenze Chinas verläuft.

Das I/3e R.E.I. übernimmt ab Anfang 1948 den Schutz der Route Coloniale 3, welche von Cao Bang nach Süden in Richtung Hanoi verläuft, auf dem Abschnitt von Cao Bang bis Bac Kan.

Karte der Region Cao Bang mit der R.C. 3 bis Bac Kan (5,9 MB)

Der Posten Phu Tong Hoa 1948

Foto von Edmund H., 1re Cie., I/3e R.E.I.


Die 2e Compagnie unter Capitaine Cardinal hält den Posten von Phu Tong Hoa, 18 Kilometer nördlich von Bac Kan.

Phu Tong Hoa selbst ist nicht mehr als eine kleine Ansammlung von Häusern im chinesischen Stil. Der Posten liegt am Rande des Dorfes auf einer kleinen Anhöhe.

Erste Anzeichen im Juli 1948

Ab 20. Juli 1948 verdichten sich die Informationen, dass sich das komplette Regiment 72 in der Region bereit hält, um die Posten an der R.C. 3 anzugreifen.

Aber noch ahnt niemand, dass es Phu Tong Hoa treffen wird...

Legionäre vor einem der Bunker von Phu Tong Hoa

Foto von Edmund H., 1re Cie., I/3e R.E.I.


Am 22. Juli 1948 trifft die 4e Compagnie von Capitaine Mattéi unweit von Ban Cao auf ein Bataillon Vietminh. Es gibt mehrere Verletzte und beim Versuch einen schwerverletzten Lieuteant nach Cao Bang zu bringen, trifft man erneut auf Widerstand.
Siehe dazu auch Hinterhalt bei Kouéi Pet.

Eine für den 24. Juli 1948 um Phu Tong Hoa geplante Aufklärungsoperation, muss am aufgrund starken Regens abgebrochen werden.
Der Gegner nutzt den anhaltenden Regen, der die Sichtweite des Postens auf 100 Meter beschränkt, für sich und zieht seine Kräfte bis auf etwa 700 bis 800 Meter an den Posten heran.
Zwei Bataillone der Vietminh halten sich bald im Unterholz versteckt. Die Geschütze werden in Stellung gebracht, ein japanisches 77er Geschütz im Südwesten und ein 37er Geschütz im Norden, dazu Mörser.
Zusätzlich unterbrechen weitere Kräfte die Straßenverbindung von Phu Tong Hoa aus in beide Richtungen, so dass keine Verstärkung den Posten erreichen kann.

Der Angriff steht nun unmittelbar bevor...

Anmerkungen eines Zeitzeugen

Kurt K.

2e Cie., I/3e R.E.I.

Einer der Legionäre der 2e Compagnie des I/3e R.E.I. in Phu Tong Hoa war Kurt K.

Er hat den nachfolgend geschilderten Kampf überlebt und ist einer der wenigen heute noch lebenden Zeitzeugen.
Trotz der persönlich sehr bewegenden Erlebnisse war er bereit, mir darüber zu berichten und mit einer Veröffentlichung einverstanden.

Seine Ergänzungen zum Bericht über das Gefecht von Phu Tong Hoa sind nachfolgend kursiv in den Text eingefügt.

Der Angriff am 25. Juli 1948

Am Sonntag den, 25. Juli 1948, sind nur 104 Legionäre im Posten Phu Tong Hoa. Eine Section der 2e Compagnie hält sich in Bac Kan auf.
Verstärkt werden die Legionäre aber durch vier Artilleurs des 69e R.A.A.

Am frühen Abend sind die Offiziere Capitaine Cardinal, Lieutenant Charlotton und Sous-Lieutenant Bévalot in der Messe versammelt, als gegen 19:30 Uhr, die ersten Granaten auf den Posten einschlagen. Automatisches Feuer aus verschiedenen Kalibern schlägt von verschiedenen Seiten gegen den Posten los.

Man ist jedoch nicht sonderlich überrascht. Die Legionäre nehmen ihre Stellungen ein, die zwei 3,7er Geschütze und die zwei 81er Mörser werden besetzt.

"Die haben ihre Geschütze auf den Berg gebracht und konnten direkt in unseren Posten reinschießen..."

Während die gegnerischen Geschütze die Verteidigungsanlagen zu zerstören versuchen, gelingt es der Mannschaft von Sergent Martin mit ihren Geschützen, mit einem Treffer das feindliche 77er, in etwa 300 Meter auf einem Hügel installiert, zu stören.
Die Treffer der feindlichen Geschütze beschädigen die westliche Mauer des Postens jedoch schwer, dazu der Bunker 1 und die Unterkünfte der Legionäre.

19:50 Uhr, Capitaine Cardinal wird bei dem Beschuss verletzt, seine Ordonnanz, der Legionär Mahaut, kann ihn in den Funkraum bringen und den Stab des Bataillons verständigen.
Die Dunkelheit bricht ein und die Situation im dichten Regen wird langsam schlimmer. Es gibt die ersten Verluste, die Legionäre Veran, Mahaut und Hergesel.

Aufgrund seiner Verletzung übergibt Capitaine Cardinal das Kommando an Lieutenant Charlotton, welcher kurz darauf selbst tödlich verletzt wird.
Es ist gegen 20:30 Uhr, als dieser Sous-Lieutenant Bévalot das Kommando übergibt, welcher erst am 18. Juli 1948 bei der Compagnie eingetroffen war.

Inzwischen wird das Feuer der Vietminh immer heftiger. Ab 20:45 Uhr drängen die Vietminh langsam vor. Das Magazin wird von einer Granate getroffen.

Gegen 21:15 Uhr hört der Beschuss plötzlich auf, eine Trompete ertönt. Das sichere Zeichen, dass die Vietminh nun angreifen. Von Westen aus beginnen darauf die Gruppen der Angreifer, sich in die Minen und den Stacheldraht um den Posten zu werfen.

"Wir hatten unseren Posten und hatten darum überall Kisten mit Munition versteckt. Wenn die dann gekommen sind, haben wir die Schnüre gezogen und die sind in die Luft geflogen..."

Phu Tong Hoa

Darstellung des Angriffs

Gegen 21:20 Uhr dringen die Vietminh schließlich durch eine Bresche von 15m in der westlichen Mauer in den Posten ein.
Der Bunker 1 in der südwestlichen Ecke fällt in die Hände der Gegner.

Trotz der gegnerischen Übermacht, wehren sich die Legionäre im Posten erbittert.

21:30 Uhr, der verletzte Capitaine Cardinal versucht, die Verteidiger zu motivieren und wird im Hof erneut durch Granatsplitter verletzt.
Man bringt ihn in die Krankenstation.

Sous-Lieutenant Bévalot funkt nach Bac Kan, dass die Vietminh in den Posten eingedrungen sind, danach bricht der Funkkontakt ab, die Antenne wurde getroffen.
Der Funkraum wird zunächst von drei Legionären gehalten. Sie können mehrere Vietminh ausschalten, bei dem Versuch in diesen vorzudringen.

"Ich bin in den Funkraum runter. Zwei sind in das Klo gesprungen, die sahen aus…"

Gegen 22:00 Uhr verstirbt Lieutenant Charlotton. Im Nordosten, am Bunker 3, greift eine weitere Gruppe Vietminh an. Dieser ist ungeschützt, da eine Granate den Bunker 2 mit seinen Insassen ausgeschaltet hat. Auch hier können die Vietminh eindringen und es kommt zum Kampf Mann-gegen-Mann.

Der Posten wurde damit praktisch in zwei Hälften geteilt. Sous-Lieutenant Bévalot mit seinen Männern im Bunker 4 im Südosten, entsendet umgehend Sergent Guillemaud mit seinen Männern nach dort.

"Es war ein Durcheinander..."

22:30 Uhr, dem Legionär Bischoff gelingt es, das Gebäude der 2e Section mit seiner Thompson zu verteidigen. Auch die Küche und der Funkraum können gehalten werden.

Im Norden kann Sergent Guillemaud mit seinen Legionären den Bunker 3 zurück erobern und das Magazin verteidigen.

Die Mörser von Sergent Martin sind nun vertikal nach oben auf die Vietminh im Posten gerichtet.

"Mit Phosphorgranaten, auf 90° Grad gedreht, so zwei, drei Stück und dann wieder in den Bunker..."

Caporal Camillieri und zwei Legionäre bekämpfen zunächst die Vietminh im Bereich der Bresche. Dann wird auch die Bresche in der Verteidigung des Postens durch die eigenen Mörser unter Feuer genommen, so dass zunächst keine Vietminh mehr eindringen können.

Zwischenzeitlich können Sergent Bock und einige Legionäre, den südwestlichen Bunker 1 wieder einnehmen.
Die Sergenten Andry, Fisier und der Legionär Fontaine können fünf Vietminh im nordwestlichen Bunker 2 ausschalten und diesen einnehmen.

"Das war ein Durcheinander, mein Gott, mein Gott…"

Caporal Camillieri stößt auf den Funkraum vor und findet dort die Legionäre Savar und Walther, welche durch eine Granate getötet wurden. Der Legionär Schern am Funk ist verletzt und wird durch Legionär Tungermann ersetzt.

Sergent Andry kann nun auch die Gebäude im Nordosten wieder einnehmen.
Langsam gewinnen die Legionäre die Oberhand. Der Kampf wird sporadischer.
Der Regen hört endlich auf. Im Mondlicht wird die Sicht besser und die Vietminh müssen sich mehr und mehr zurückziehen.

Gegen 23:00 Uhr ist der Posten schließlich wieder in der Hand der Verteidiger. Die letzen im Posten versteckten Vietminh werden nach und nach aufgespürt.
Zahlreiche tote Vietminh sind im und um den Posten verstreut. Von draußen ertönt wieder eine Trompete – das Signal zum Rückzug der Vietminh.

Um 0:00 Uhr lässt sich Capitaine Cardinal einen Überblick der Lage geben. Im Süden haben die Legionäre unter Sous-Lieutenant Bévalot den Bunker 4 und die Krankenstation gehalten. Es ist gelungen, die Vietminh, die in den Posten gedrungen sind, aus dem Bunker 1 zu vertreiben und dieses wieder einzunehmen, sowie den Eingangsbereich des Postens zu säubern.
Im Zentrum des Postens und im Nordosten wurden die Vietminh von den Sectionen der Sergenten Andry und Fiesier mit MG und Handgranaten bekämpft.
Der Legionär Polain verstarb dabei durch einen Bajonettstich. Legionär Speck wird tot unter einem Haufen Vietminh aufgefunden, sein leeres MG noch in den Händen.

Um einen erneuten Angriff zu verhindern wird der Bereich im Nordwesten verstärkt. Aber der Gegner hat sich zurückgezogen und kehrt nicht zurück.

03:00 Uhr, Capitaine Cardinal richtet seine letzen Worte an Sous-Lieutenant Bévalot.
Gegen 06:00 Uhr verstirbt Capitaine Cardinal in der Krankenstation.

Die Tage nach dem Kampf

Um 09:00 Uhr, nachdem die Antenne repariert wurde, kann wieder Funkkontakt mit Bac Kan aufgenommen werden.
Die Verluste werden durchgegeben. 21 Legionäre und 2 Artilleurs wurden getötet. Es gibt 48 Verletzte die dringende Versorgung benötigen.
Man wird darüber unterrichtet, dass man versucht, Phu Tong Hoa zu unterstützen, aber dass die Legionäre zunächst auf sich alleine gestellt sind.

"Von Bac Kan, die kamen nicht durch, die bekamen Zunder. Und auch die vom übern Berg, die bekamen auch Zunder..."

Die eigenen Toten werden noch am Morgen links neben dem Eingang des Postens begraben, wo sich ein Volleyballfeld befand.
Für die aufgefundenen 62 gefallenen Vietminh wird ebenfalls ein Grab ausgehoben.

Die Gräber der Gefallenen von Phu Tong Hoa

Foto von Edmund H., 1re Cie., I/3e R.E.I.


Den Tag über bleibt man wachsam und richtet den Posten wieder zur Verteidigung ein, da die Vietminh noch in der Nähe sind.
Als Bévalot in eine erbeutete Trompete der Vietminh stößt nimmt man auf der nahen R.C. 3 einige Vietminh wahr, die ihnen daraufhin zuwinken.
Am Abend wird endlich Munition und Lebensmittel durch eine JU52 für den Posten abgeworfen.
In der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1948 wird man wieder leicht mit Granaten beschossen, aber ein Angriff bleibt aus.

Am 27. Juli 1948 wird ein provisorisches Flugfeld für die Evakuierung der Verletzten hergerichtet. Eine Piper geht beim Landeversuch zu Bruch, aber die schwer Verletzten können schließlich ausgeflogen werden.

"Ich bin mit dem Hubschrauber nach Bac Kan gekommen und dann von Bac Kan nach Hanoi ins Lazarett..."

Die Vietminh sind derweil immer noch in der Nähe, in der Nacht zum 28. Juli 1948 wird man erneut leicht beschossen. Die Legionäre sind zwar durch den Kampf und die Entbehrungen gezeichnet, aber die Moral ist gut.

Unterdessen hatte Commandant Sourlier sein möglichstes versucht, Phu Tong Hoa zu unterstützen. Bereits während des Angriffs um 21:00 Uhr, brach eine Kolonne aus Bac Kan in Richtung Phu Tong Hoa auf. Diese musste aber aufgrund gegnerischer Angriffe nach Bac Kan zurückkehren.
Von Na Fac aus versuchte Lieutenant Faulques am Mittag des 26. Juli 1948 mit einigen Legionären, nach Phu Tong Hoa vorzustoßen. Am Col de Deo Giang stößt er auf heftigen Widerstand und wird verletzt. Nach einem einstündigen Gefecht, muss er sich mit einem Toten und fünf weiteren Verletzten zurückziehen.

Am Abend des 28. Juli 1948 gelingt es einer Kolonne aus Cao Bang unter Lieutenant-Colonel Simon, die insgesamt 114 Kilometer nach Phu Tong Hoa vorzustoßen.
Auch diese Kolonne musste sich zwei Gefechten auf dem Weg aussetzen. Lieutenant Hamacek wurde dabei verletzt.
Als die Kolonne im Posten eintrifft, ist eine Ehrenwache der Legionäre der 2e Compagnie zum Empfang angetreten.

Mit der Verteidigung von Phu Tong Hoa haben sich die Legionäre der 2e Compagnie des I/3e R.E.I. in die großen Kapitel der Geschichte der Legion eingereiht.

Auszeichnung

von Kurt K., 2° Compagnie, I/3° R.E.I.

für seine Leistungen und seine Verwundung in Phu Tong Hoa

Nachwort

Der Posten Phu Tong Hoa wurde nach dem Gefecht wieder aufgebaut und duch die 1re Compagnie des I/3e R.E.I. besetzt.

Für fast alle Überlebenden der 2e Compagnie ging es nach dem Gefecht von Phu Tong Hoa zurück nach Afrika, da sie ihre zweijährige Sejour in Indochina beendet hatten.

Aber für Kurt K. führte der Weg aus dem Lazarett in Hanoi zunächst wieder nach Bac Kan...

"Wie sie mich dann zusammengeflickt haben, musste ich wieder nach Bac Kan, auf dem Landwege.
Dann musste ich noch 120 Tage bleiben, das war eine Scheiße…

Da musste ich als Voltigeur voran gehen, weil ich die Gegend kannte."